Burma - reisen im Land der tausend Pagoden ...

Tagebuch einer Fotoreise in den Norden Burmas
 


 

16. Januar


Wir sitzen gemütlich auf der Terrasse des Governor’s Residence Hotels in Yangon, einer alten, aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts stammenden, ehemaligen Residenz, die zu einem wunderschönen Hotel geworden ist. In dieser ,mit viel Teakholz eingerichteten und von einem üppigen Garten umgegebenen Unterkunft, fühlt man sich in die Kolonialzeiten zurückversetzt.
Wir sind mal wieder in  Burma unterwegs. Unser Ziel sind die Orte nördlich von Mandalay, d.h. Myitkyina, Bhamo und vor allem Putao. Von Putao, welches ganz im Norden von Burma liegt, und erhoffen wir uns – als Höhepunkt der Tour – einen Blick auf die schneebedeckten Berge des Himalajas.
 
Bis anhin waren wir immer problemlos im Land der tausend Pagoden unterwegs, aber heute scheint alles anders. Denn beim Mittagessen schaut unser langjähriger Reiseleiter – Mr Bo Latt – vorbei und überbringt die erfreuliche Nachtricht > tomorrow no flight to Putao; the flight is cancelled …… - irgendwann war dies ja zu erwarten gewesen. Myanmar Airways, die staatliche Fluggesellschaft, ist bekannt und berüchtigt für rasche Änderungen des Flugplans und sonstige Überraschungen. In unserem Fall wurde nun der Flug storniert. Zudem wird im einzigen Gästehaus in Putao der Besuch hochrangiger Militärs erwartet, so dass wir auch keine Unterkunft hätten!!!
 
Eine Situation, die uns vor neue Herausforderungen stellt, denn innert 2 Stunden muss unser Reiseprogramm umgestellt werden. Dank der hervorragenden örtlichen Agentur und unserem Reiseleiter ist die neue Route von unserer Seite nach kurzer Zeit klar. Nachdem die Polizei resp. das Militär das OK gegeben haben, steht dem „Abenteuer“ nichts mehr mehr im Wege. Es wird eine sprichwörtliche Fahrt ins Blaue, denn Mr Bo bereiste die eben zusammengestellt Route noch nie!
 
Wir werden also am nächsten Tag nach Mandalay fliegen und dann über Land nach Myitkyina fahren, dem voraussichtlich nördlichsten Punkt unserer diesjährigen Reise. Myitkyina ist etwa 6 - 700 km von Mandalay entfernt. Dies tönt ja nicht nach sehr viel, aber bei den burmesischen Landstrassen mit den vielen Schlaglöcher ist ein Vorwärtskommen doch sehr mühsam und die Reise wird dauern ....


17. Januar
 
Nach einem frühen Wake up und einem ruhigen Flug landen wir am Nachmittag in Mandalay. Der Flughafen scheint für das akutelle Flug- und Passagieraufkommen überdimensioniert. Eine grosse Flughalle, in der kaum Passagiere sind, Gepäckbänder, die nur wenige Koffer transportieren, Landebahnen für Langstreckenflugzeuge und ein riesiger leerer Parkplatz vor dem Flughafen. Ob wohl einmal der Tag kommt, an dem dieser Flughafen richtig genutzt wird?

Vor dem Flughafen wartet unser Bus und es geht als erstes nach Sagaing westlich von Mandalay am Ayeyarwady gelegen. Um das Vehikel zu fahren braucht es zwei Personen. 1970 hat der damalige Machthaber von einem Tag auf den anderen das Rechtsfahren auf den Strassen eingeführt. Dies scheinbar aus Aberglauben und aufgrund einer Weissagung, welche ihm ein Wahrsager gemacht hat. Die Autos sind nach wie vor auf’s Linksfahren „eingerichtet“, mit dem Steuer auf der rechten Seite. Dadurch wird eine zweite Person benötigt, welche auf den Verkehr aufpasst.


Von Sagaing geht es weiter nach Monywa - eine sehr schöne Fahrt am Strassenrand sehen wir kleine Bauernhöfe, viele Bauern haben im Hof eine Kuh angebunden, und dazwischen immer wieder Tempel und Pagoden.
 
In einem Dorf vor Monywa sehen wir dann eine Shin Pyu Prozession, das ist die Aufnahme eines Jungen in ein Mönchskloster. Fast alle burmesischen Jungen sind für eine gewisse Zeit als Mönche im Kloster. In der Prozession fährt ein Lastwagen mit Lautsprecher vorne-weg ertönt laute burmesische Musik. Dann folgen die festlich gekleideten und geschminkten Jungen auf Pferden, gefolgt  von ihren Müttern und Schwestern in Kutschen. Diese sind ebenfalls herausgeputzt und geschminkt und bringen Opfergaben mit. Im Kloster werden den Jungen in einer feierlichen Zeremonie die Haare geschoren, die rote Mönchskleidung und die Bettelschale übergeben.

Monywa erreichen wir erst im Dunkeln. Unser Hotel ist noch ganz neu, sehr komfortabel und es soll sich in Privatbesitz befinden, was auch immer das heisst in Burma. Jedes Zimmer verfügt über einen Fernseher, wo sogar CNN empfangen werden kann …….
 
 
18. Januar
 
Frühstück im Hotel, man ist - wie fast überall - der Ansicht, dass westliche Touristen zum Frühstück unbedingt Toast und Spiegeleier wünschen …..
 
Heute Morgen steht der Besuch der Bodhi Tataung Pagode auf unserem Programm. Es gibt hier eine riesige steinerne liegende Buddhastatue von rund 50 m Länge, welcher innen begehbar ist. Etwas weiter weg ist ein überdimensionaler, stehender Buddha entstanden. Auf einem Feld sitzen 1000 lebensgrosse sitzende Buddhas auf dem Erdboden, die alle einen eigenen Schatten spendenden Schirm verfügen und auf den liegenden Buddha schauen. Zudem wurde für jede Figur Bodhi-Baum gepflanzt.


Viele der kleineren, neueren Buddhastatuen tragen Tafeln mit den Namen ihrer Spender, die aus Korea und sogar den USA kommen. Auf dem Rückweg geht es vorbei an einem Kloster, wo kleine Mönche mit dem Abwasch beschäftigt sind. Viel Gespritze und Getue, und das Spülwasser hat hinterher eher Ähnlichkeit mit einer   dünnen   Gemüsesuppe  … 
Grösste Sehenswürdigkeit von Monywa ist die Thanbodday- Pagode. Den Eingang flankieren zwei grosse, weisse, steinerne Elefanten. Es ist eine schreiend bunt bemalte und über und über
mit bunten Blumen verzierte Tempelanlage, in der sich überall kleine Buddhastatuen befinden, insgesamt sollen es über 500 000 sein. Darum herum finden sich viele verschiedene kleinere Gebetshäuser und Andachtsstätten, alle reich bemalt  und zum Teil auch mit Holzschnitzereien verziert.


Am Ufer des Chindwin Flusses fotografieren wir die Abendstimmung. Viele grössere Boote liegen vertäut.  
Diese fahren flussabwärts bis nach Bagan. Kleinere Personenfähren pendeln zum gegenüberliegenden Flussufer. Auf diesen Booten ist ein ständiges Kommen und Gehen. Hinter uns an der Uferstrasse gibt es Geschäfte, wo man alles Mögliche kaufen kann, von Werkzeugen über die allgegenwärtigen Plastikartikel aus China bis zu Möbeln.
  




19. Januar
 
Da die vor uns liegenden Strassen zu schlecht und teilweise zu schmal sind, kehrt unser Reisebus nach Mandalay zurück. Wir fahren in zwei Kleinbussen weiter, welche schon in die Jahre gekommen sind.





















Unser heutiges Etappenziel ist Katha, und weil es eine weite Strecke ist, sind wir bereits früh unterwegs. Schon bald werden wir von einer Reihe von Ochsenkarren aufgehalten, sie sind auf dem Weg zu einer Reismühle. Der Reis wird in der Mühle geschält, die Spreu dient zum Anheizen, und dann in Säcke verladen, die die Bauern wieder mitnehmen. Die ganze Familie, von der Grossmutter bis zum Kleinkind, ist auf dem Ochsenkarren mit unterwegs.


Durch flaches Land und entlang von Feldern mit Sonnenblumen und durch kleine Dörfer geht es weiter. Die Strasse ist schmal, zwar asphaltiert aber mit vielen Schlaglöchern. Sie ist aber trotzdem eine der Hauptverbindungen nach Norden auf der auch viele Lastwagen unterwegs sind. Wir haben zwischendurch immer wieder kleine Pannen mit unseren Autos, welche von den Fahrern aber immer wieder repariert werden können. Besitzt jemand in Myanmar ein Auto, dann muss er auch gleichzeitig Mechaniker sein und improvisieren können ….




Bei jeder noch so kurzen Pause kühlen unsere Fahrer den Motor mit Wasser. Durch ein Fenster, das nicht ganz schliesst, und durch ein Rostloch im Fahrzeugboden kommt immer mehr Strassenstaub herein. Unsere Patina kann sich bis am Abend sehen lassen…..



An mehreren Stellen müssen kleine Furten passiert werden, der zweite Fahrer muss dann immer wieder aussteigen, durch die Furt waten und anschliessend zeigen, wie gefahren werden muss. Dass es nicht ganz einfach ist, zeigt sich daran, dass wir steckengeliebene Lastwagen passieren Auch wir bleiben von diesem Ungemach nicht verschont und bleiben kurz darauf mitten im Wasser stehen. Der Motor will erst nicht mehr starten. Nach einigen Versuchen geht es dann doch weiter - wieder auf dem Trockenen muss erst das Wasser aus dem Motor heraus.

Nach und nach wird die Landschaft hügeliger und wir machen Rast an einer Art Truck Stop. Mr. Bo hat es sich zum Ziel gesetzt, uns ohne gröbere Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt durch Myanmar zu bringen und so verschwindet er in die Küche um die Zubereitung unserer Nudelsuppe zu überwachen, und da die Zutaten am besten ganz frisch sein sollten, muss als erstes  im Hof ein armes Huhn dran glauben……

Zunächst sitzen die Dorfbewohner noch um den Fernseher und schauen sich das staatliche Programm an; letztendlich sind wir dann doch interessanter. Vor allem die Bilder, die wir mit einer Polaroidkamera machen und sofort zeigen können. Die Wirtin wünscht sich dann noch ein Bild, wo wir auch mit drauf sind, und als wir abfahren, steht das ganze Dorf da, um uns zum Abschied zuzuwinken. Ein eindrückliches Bild, welches wir in Gedanken mitnehmen.

In Indaw wird noch ein Tankstop gemacht. Diesel wird in Kannen auf einem Holzgestell gelagert und mit einem Schlauch, in welchem der Treibstoff erst mit dem Mund angesaugt wird, in den Tank gefüllt.
 
Unser Guesthouse in Katha liegt direkt am Ayeyarwady, als wir ankommen ist das Metallgitter am Eingang aber schon geschlossen.  Der Chef schläft aber glücklicherweise auf einer Bank im Eingang, so dass wir ihn wecken können. Die Unterkunft ist „very basic“; die Schlafkammern nur durch dünne Holzwände getrennt, zwei harte Holzbetten und eine Glühbirne an der Decke, der Blick geht auf den Hinterhof und an den Fenstern hat es Metallgitter. Die Waschgelegenheit ist ein grosser mit Wasser gefüllter Steintrog, aus dem man sich mit einer kleinen Plastikschale das Wasser schöpft.
 
 
20. Januar
 
Nach einer kurzen Nacht werden wir von den Hähnen und von den bellenden Hunden in der Nachbarschaft geweckt. An ein Weiterschlafen ist nicht zu denken. Katha ist ein kleiner Ort am Ufer des Ayeyarwady. In der Nähe des Bootsanlegers liegen viele Geschäfte und Tee-häuser. Das Treiben auf der Strasse bietet eine Fülle von Fotomotiven. Ein Junge backt Krapfen, eine alte Frau verkauft Betel, und zum Losverkauf auf burmesisch braucht es drei Personen, einen, der verkauft und  zwei, die Buch führen.
 


Hier war George Orwell als Kolonialbeamter stationiert, als Burma noch von den Briten besetzt war, und er hat diese Zeit in dem Buch „Burmese Days“ eindrücklich beschrieben. Über das Leben der Kolonialherren hatte er nichts Gutes zu berichten. Heute stehen noch einige Häuser, welche er beschreibt. Der Britisch Club zum Beispiel ist heute Landwirtschafts-Koperative.





Von Katha geht es weiter nach Norden nach Mawlu, hier gibt es wieder einen der vielen Check-Points, wo Mr. Bo wieder einmal und nicht zum letzten Mal unsere Pässe zeigen muss. So halten wir per Zufall vor dem örtlichen Gefängnis; Fotografieren ist uns an dieser Stelle nicht erlaubt. Eine Gruppe Gefangener wird an unserem Bus vorbeigeführt, Männer und Frauen, mit Handschellen und Fussfesseln, sie senken den Kopf, als wollten sie sich entschuldigen, dass wir sie gesehen haben. Ein Anblick der unter die Haut geht …. 





Nur wenige Meter weiter – bei der Schule von Mawlu  hängen sich die Kinder begeistert aus den Fenstern, um uns zuzuwinken.



Am Mittag erreichen wir Mohnyin. Hier werden wir noch einmal übernachten. Zuerst stehen aber Diskussionen mit dem örtlichen Polizeichef an. Schlussendlich kann Mr Bo Entwarnung geben  -   wir müssen nicht im Bus übernachten!
 



Den Nachmittag verbringen wir an einem kleinen See,  in dem sich eine Pagode spiegelt. Daneben gibt es eine Ziegelei, wo die Ziegel zur Renovation der Pagode gebrannt werden. Ein gut gekleideter Mönch, auch bei Mönchen gibt es gewisse Unterschiede, macht seine Inspektionsrunde und prüft die Arbeit.

 


Nach Sonnenuntergang beziehen wir unsere Zimmer in zwei Guesthouses. Auch diese sind sehr einfach, aber doch mit bedeutend Charme als das in Katha. In der „Eingangshalle“ stehen Sessel, die fünf Zimmer sind in der ersten Etage, hellgrün gestrichen, mit geblümten Vorhängen vor den Betten, es gibt eine Dusche, ein Plumpsklo für alle und ein „Badezimmer“ unter dem Sternenhimmel. Wann kann man sich schon mal unter freiem Himmel, im Mond- schein und mit Sicht auf die wärmenden Feuer in der nahen Strasse, die Zähne putzen?
 
 
21. Januar
 
Frühes Aufstehen ist angesagt, es ist noch dunkel. Es ist eine mystische Stimmung, im Morgennebel sind Frauen mit Körben voll Gemüse auf dem Weg zum Markt und es werden wieder die ersten Feuer angezündet.  Nach einem Morgentee fahren wir, als es dämmert, los, viele sind schon  mit dem Fahrrad unterwegs, an einer Brücke müssen alle absteigen und das Fahrrad schieben. Die Brücke ist aber auch eine abenteuerliche Konstruktion - nur aus längs und quer liegenden Holzbrettern.


An einer Kreuzung lesen wir auf einem Strassenschild  Hpakant, hier sind die bekannten Jademinen, wobei aber westliche Touristen zurzeit keine Genehmigung erhalten, diese zu besuchen. Dies gilt auch die berühmten Rubinminen in Mogok. Wahrscheinlich stimmen die Berichte ja doch über katastrophale Arbeitsbedingungen, um die Strapazen überhaupt auszuhalten, über Prostitution und die vielen HIV- Infektionen bei den Arbeitern.


Gegen Abend erreichen wir Myitkyina, die Hauptstadt des Kachin Staates, auch am Ayeyarwady gelegen. Seine Zuflüsse kommen aus dem Himalaja, er ist der grösste Fluss Burmas, fliesst von Norden nach Süden fast durch das ganze Land  und  mündet in einem Delta nahe Yangon.
 
Am Ufer liegen mehrere mit Holz beladene Boote, zum Entladen wird ein Lastwagen rückwärts ins seichte Uferwasser gefahren und dann beginnt eine ganze Reihe von Trägern mit dem Ausladen.



Auch unser Hotel liegt am Fluss. Es ist eine weitläufige Anlage, auf chinesischen Geschmack ausgerichtet, mit riesigen Zimmern, Plastikblumen in der Vase, den üblichen quietschbunten Plüschdecken auf den Betten. Aber dafür gibt es eine funktionierende Dusche, um den Strassenstaub der letzten zwei Tage abzuwaschen.
 
 
22. Januar
 
Unser heutiges Reiseziel ist heute Bhamo und dorthin möchten wir auf dem Wasserweg. Mr Bo hat für uns Plätze auf einem so genannten Expressboot besorgt, das so express aber auch nicht unterwegs ist, die Fahrt soll etwa 8 Stunden dauern. Als ausländischer Tourist muss man Plätze in der Upper Class kaufen, so sitzen wir vorne, die Plätze sind überdacht und mit Glasfenstern. Hinten in der „Holzklasse“ - auch überdacht, aber ohne Fenster - sind bald auch alle Plätze besetzt. Von der Decke baumeln die Schwimmwesten…..


Drei australische Touristen verlassen sind  sauer und verlassen fluchtartig das Boot, als sie sehen, dass sie mit uns fahren müssen. Es gibt leider kein Exklusivrecht auf eine Fahrt ohne Langnasen, wie die westlichen Ausländer in Asien genannt werden. Wir werden sie dann erst am nächsten Tag in Bhamo wieder sehen……
 



Südlich von Myitkyina ist der Ayeyarwady ein breiter ruhiger Fluss, am Ufer viel Schilf und Bambus und   einzelne Bauernhöfe, in der Trockenzeit gibt es aber viele Untiefen und Sandbänke, ein Bootsmann mit einem langen Stab zeigt dem Kapitän die Wassertiefe an. Lautes Hupen des Kapitäns kündigt den nächsten Stop an. Dann kommen sofort Leute ans Ufer gelaufen,  um ihre Angehörigen abzuholen oder zuzusteigen, Mädchen verkaufen aus Körben, die sie auf dem Kopf balancieren, Früchte, Okra und anderes zum Essen.
 


Die Mittagspause findet - für alle - auf einer Sandbank im Fluss statt, hier sind drei Restaurants aufgebaut, Frauen verkaufen Mandarinen, ein Mönch bittet um Spenden, und als der Kapitän hupt, machen sich alle wieder auf den Weg zum Boot > gut organisiertes reisen.


Weiter südlich  kommt die erste Flussenge, zwei weitere würden dann noch südlich von Bhamo folgen. Der Fluss hat hier eine deutlich höhere Geschwindigkeit und das Flussufer ist felsig. Später sehen wir Goldwäscher, die mit flachen Schüsseln und Sieben nach dem Gold suchen. Nur die berühmten Flussdelfine sehen wir leider nicht.

Am späten Nachmittag erreichen wir Bhamo oder auch Banmaw genannt. Der verschlafene Charme der früheren Handelsstadt zieht uns sogleich in seinen Bann. Unser Hotel heisst bezeichnenderweise Friendship und liegt an zentraler Lage. Am Abend lässt Mr. Bo im Restaurant alles auffahren, was die Küche so zu bieten hat,  endlich mal keine Noodle Soup….

 
23. Januar

Burmesische Hähne neigen leider dazu, früh wach zu werden - mitten in der Nacht kräht einer und alle anderen antworten – sleep well .…

Heute morgen steht ein Besuch des Marktes auf dem Programm, obwohl es gerade erst dämmert, herrscht schon grosses Gedränge. Angeboten wird viel Gemüse, Kohl, Tomaten, Blumenkohl, Zwiebeln und auch Erbsen und ein wilder Verwandter unseres Broccoli, Reis, Kartoffeln, Eier, Obst und vor allem Mandarinen. Die Eier werden in Kisten mit Reisstroh transportiert, frischer Fisch wird zerteilt und in Bananenblättern verpackt. Eine junge Frau, die mit ihrem orangen Pullover so
schön zu den Mandarinen passt, die sie verkauft, will mir dann unbedingt eine schenken. Die Freundlichkeit der Menschen ist einfach überwältigend. Auch Kleider, Schuhe, Stoffe und Tonwaren kann man kaufen. Vieles hiervon kommt sicherlich aus China. An zentraler Lage befindet sich auch das lokale Hauptquartier der National League for Democracy, deren Führerin – Aung San Suu Kyi – immer noch unter Hausarrest steht.


 
Sampanago ist die alte Stadt von Bhamo und liegt wenige Kilometer südöstlich. Hier findet ein Pagodenfest statt. Eine Bühne mit Lautsprechen wird aufgebaut,  es gibt viele Stände mit Essbarem. Die Pagodenanlage besteht aus mehreren Gebäuden, dazwischen Teiche, über die Teakholzbrücken führen, ein Mönch rezitiert buddhistische Verse, Frauen, die Schalen und Körbe auf dem Kopf  tragen, sind vom  Dorf aus unterwegs zur Pagode. Der Blick geht über Reisfelder und die dahinter liegenden Hügelketten. Eine friedliche Stimmung, die einen sofort gefangen nimmt.


24. Januar
 
Heute müssen wir wiederum die Fahrzeuge wechseln, denn die Bergstrecke nach Muse ist in einem derart schlechten Zustand, dass Busse dort keine Chance haben resp. nicht passieren können. Wir fahren also mit Personenwagen älteren Jahrgangs weiter.Unser Gepäck kommt in einen alten offenen Landrover und wird  unter einer Plane verstaut. Die Fahrer kommen alle aus der Gegend und kennen jedes Schlagloch auf der Strecke. Abfahrt ist dann, wenn die Stadttore öffnen. Überhaupt dürfen sich Ausländer in Bhamo nur in einem Umkreis von zwei Meilen um die Stadt aufhalten, ansonsten  braucht es Sondergenehmigungen. Da können wir von Glück sprechen, dass wir Mr Bo dabei haben, denn er kümmert sich um alles.
 
Wie uns erzählt wird, soll die Strasse nach Muse eine der schlechtesten in Burma sein. Sie ist eng, die Brücken sehen baufällig aus, Sand, Spurrillen und Schlaglöcher „begleiten“ uns die nächsten Stunden… trotzdem ist sie eine Verkehrsader und der einzige Weg nach Muse an der chinesischen Grenze. So kommt uns eine ganze Reihe von Autos und Lastwagen entgegen.




Die Strasse  führt durch eine wunderbare Landschaft, an Feldern vorbei über welchen noch der Morgennebel liegt Dann steigt sie stetig bergan durch fast unberührten Mischwald mit hohen Laubbäumen Sträuchern und Bambus, dazwischen immer wieder vereinzelte Gehöfte und kleinen Reisfeldern.
 
Verschiedene Polizeiposten müssen auf der Strecke  passiert werden, jedes Mal werden unsere Pässe und Bewilligungen kontrolliert, Kopien gemacht, Stempel und Unterschriften „verteilt“ und danach geht es wieder weiter!
 
Pause machen wir in einem kleinen Dorf auf der Passhöhe. Dieses ist entlang der Strasse gebaut und an zahlreichen Marktständen werden Reis Gemüse, Eier aber auch Kleider und Haushaltsgeräte verkauft. Die Frauen haben geflochtene Kiepen auf dem Rücken, um die Einkäufe zu transportieren, viele haben aber auch ihre Kleinkinder mit einem Tragtuch auf dem Rücken festgebunden, einige der Kinder husten. Es scheint, dass sich hier nur selten - wenn überhaupt ein Arzt hin verirrt. Man sieht riesige Kröpfe, eine Frau hat eine dicke Backe wegen eines vereiterten Zahn und eine hat überhaupt nur noch einen schiefen Zahn im Mund …. Viele Frauen haben auch – vom Tragen – einen ausgeprägten Buckel.


Die Dorfmetzgerei ist eine Bambusmatte auf dem Boden, auf der die Fleischstücke ausgebreitet sind und mit einer Handwaage abgewogen werden. Davor lungern die Dorfhunde …... Überall laufen Hühner und Küken frei herum. Die gemeinsame Dorftoilette ist nichts für empfindliche Zeitgenossen oder schwache Nerven, zwei Balken über einem Abhang ….


 

Am höchsten Punkt der Strecke wieder einmal ein Polizeiposten, leider dürfen wir nicht fotografieren, dabei gäbe es so viele Motive, drei Männer, die Wasserpfeife rauchen, eine alte Frau mit einem Handtuch als Kopfbedeckung und, und, und..

Wir kaufen noch eine Flasche Whisky aus Myanmar, hergestellt aus importiertem Whiskykonzentrat und einheimischem trinkbaren Alkohol und bilden uns ein, dass das desinfiziert und uns gegen Durchfall schützt!!!!

Jetzt geht es langsam wieder bergab, in Richtung Namkham, hier hat ein amerikanischer Chirurg im zweiten Weltkrieg und danach ein Hospital geführt und  seine Erinnerungen in einem Buch beschrieben. Das Hospital gibt es immer noch, wir sehen es auf einer Anhöhe liegen.


Eine Zeit lang fahren wir am Shweli, dem Grenzfluss zu China entlang. Es gibt eine alte Brücke, die überquert werden muss. Wir müssen aussteigen und zu Fuss darüber gehen, neben der alten Brücke, eine Stahlkonstruktion mit längs und quer liegenden Brettern, wird eine neue, grössere gebaut. Vielleicht dürfen wir deshalb die alte Brücke fotografieren, was sonst in Burma nicht erlaubt ist. Hinter Namkham öffnet sich das Tal zu einer Ebene mit vielen Feldern.



 
Bald schon taucht Muse auf  und unmittelbar daneben die chinesische Grenzstadt Ruili. In Muse müssen wir neben dem burmesisch-chinesischen Grenzübergang warten, ein grosses Tor aus Beton, auf der chinesischen Seite rege Bautätigkeit und viele neue Hochhäuser, auf der burmesischen Seite ein grosses Casino, das wohl hauptsächlich von Chinesen besucht wird. Auf dem Nachtmarkt in der Nähe unseres Hotel kaufe ich drei Orangen, dass muss etwas ganz Extravagantes sein, der Händler will erst nur eine herausrücken und dann verlangt er 900 Kyat pro Stück, was ein recht stolzer Preis ist, wenn man bedenkt, dass ein Kilo Reis 400 Kyat in dem Bergdorf  gekostet hätte.

Nach dem Nachtessen steigen wir auf die Dachterrasse des Restaurants. Jetzt im Dunkeln sieht man besonders gut, wo China beginnt und Burma aufhört. Auf der einen Seite ist alles hell erleuchtet und hier – auf unserer Seite – ist es fast dunkel,  weil kein Strom vorhanden ist.
 

25. Januar
 
Unseren Morgentee trinken wir an der Zollstelle zwischen China und Burma. Hinter einem hohen Zaun steht eine Baracke, in die Zollstation untergebracht ist. Hier finden sich am Morgen auch die Träger ein und warten auf Aufträge.




Daneben steht eine Reihe Holzgerüste, wo die Lastwagen kontrolliert und umgeladen werden. Scheinbar werden die Waren an der Grenze auf burmesische respektive chinesische Lastwagen umgeladen, und es hängt wohl von der Höhe, der an den Zöllner gezahlten „Gebühr“ ab, wie genau kontrolliert wird. So verwundert es doch kaum, dass die Zöllner zu den reichsten Leuten in der Gegend zählen.
 
Die Strasse von Muse nach Lashio und weiter nach Mandalay ist eine Privatstrasse und eine der besten  in ganz Myanmar. In regelmässigen Abständen gibt es eindrucksvolle Mautstellen, aber die regelmässigen Pass- und Visakontrollen bleiben bestehen. Vor Lashio wird Mr Bo leicht nervös, denn um 18.00hrs müssen wir allerspätestens beim grossen Check Point sein. Schaffen wir dies nicht, so heisst es zurückzufahren und eine Unterkunft zu suchen oder im Bus zu übernachten – keine schöne Aussicht ……


 

Wir befinden uns nun auf der „Old Burma Road“, einem legendären Handelsweg nach und von China, der rund 1200km lang ist. Die nur rund 3m breite Strasse (Holy Grail) diente während der britischen Besatzungszeit als Hauptversorgungslinie für den Abwehrkampf der nationalchinesischen Truppen Chiang Kai-sheks in China gegen die Japaner.

Wieder liegt Morgennebel über den Feldern und in der Ferne kann man die Berge erahnen. Bevor wir in unserem Nachtquartier in Hsipaw sind, machen wir noch einen Stop in einem kleinen Dorf und können hier miterleben, wie burmesische Kinder Schularbeiten machen. Sie sitzen vor dem Haus und lesen lauthals aus ihrem Schulbuch vor, wieder und immer wieder….


26. Januar
 
Bei Dunkelheit resp. im Licht der Taschenlampe stehen wir vor allen anderen Gästen auf. Strom gibt es nicht, denn dieser wird zwischen 22.00 und 07.00hrs abgestellt! Die Schlafqualität ist dadurch wahrscheinlich auch besser, denn die Generatoren erzeugen einen unheimlichen Lärm.
 
Heute sollen wir einen der Höhepunkte unserer Reise sehen, den Gokteik Viadukt. Die be-rühmteste Eisenbahnbrücke  Burmas wurde 1899 von einer Gesellschaft aus Pennsylvania in britischem Auftrag gebaut und 1901 eröffnet. Die aus der Ferne zerbrechlich aussehende Konstruktion überspannt eine etwa 300 m tiefe Schlucht, ist rund 800 m lang und 110 m hoch. Zur Bauzeit war dies der zweitgrösste Viadukt der Welt.
 
Zunächst halten wir am Bahnhof in Kyaukme um herauszufinden, wann der Zug aus Mandalay nach  Lashio  wohl zu erwarten ist. Dies ist nicht ganz einfach, denn so ganz genau weiss dies niemand …. Von hier aus führt im übrigen eine Strasse nach Mogok, wo nach Rubinen und Saphiren gesucht wird. „Aus Sicherheitsgründen“ ist bis heute ein Besuch der Minen nicht mehr möglich.  Kyaukme ist der offizielle Handelsplatz für die Rubine aus Mogok. Trotz allerschärfster Sicherheitsbestimmungen und Bewachung gelangen rund die Hälfte aller Fundstücke illegal nach China, Thailand oder Laos …..

In Haarnadelkurven führt die Strasse von Lashio talwärts, an einem Polizeiposten steigt ein Polizist oder Aufpasser in unseren Bus, denn wir haben eine Sondererlaubnis, dass wir die Brücke fotografieren dürfen, zwar nur aus der Ferne und im Gegenlicht, aber immerhin. Und tatsächlich schon bald  taucht der Zug auf, bei uns bricht ein wenig Hektik aus, aber glücklicherweise ist die burmesische Eisenbahn langsam… erst bei der nächsten Reise im folgenden Jahr werde ich die Gelegenheit haben selbst in dem Zug über die Brücke zu fahren! (Bilder vom folgenden Jahr).


Kurz danach verlässt uns der Aufpasser wieder und über ein Hochplateau mit vielen Reisfeldern erreichen wir, Pyin U Lwin oder Maymyo, eine ehemalige Hill Station der Briten. Hier oben konnten sie dem unangenehmen Klima in Mandalay entfliehen. Im Städtchen gibt es viele indische Geschäfte und Mr. Bo ermahnt uns nur ja nichts zu kaufen, weil ja alles viel zu teuer sei! Die alten Kolonialvillen gehören heute vielfach hohen Militärs oder reichen Leuten was häufig dasselbe ist.  Die Stadt ist auch berühmt für ihre Pferdekutschen mit denen der Nahverkehr organisiert wird. Überall warten die pittoresk anmutenden Gefährte auf Kundschaft. Wenn es auf der Fahrt so richtig ruckelt und schaukelt, dann kann man sich unschwer vorstellen, wie strapaziös langes Reisen um die Jahrhundertwende gewesen sein muss. Nach einem Stop am Blumenmarkt, Pyin-U-Lwin ist ebenfalls berühmt für seine Blumen und Früchte wie z.B. Erdbeeren,  geht es in steilen Kehren herunter in die Ebene von Mandalay.
 
Hier schliesst sich der Kreis unserer Reise, die so ganz anders begonnen hat als eigentlich geplant. Viele schöne Landschaften haben wir gesehen, eine eindrucksvolle Bootsfahrt gemacht, aber was uns alle wohl am meisten beeindruckt hat, sind die freundlichen und würdevollen Menschen  Burmas, das kleine Mädchen, das vor dem Tempel auf unsere Schuhe aufpasst, auch wenn wir die letzten sind, die zurückkommen; die Familie, die uns zum Tee einlädt; die Marktfrau, die es sich nicht nehmen lässt,  mir den Chili zu schenken, den ich kaufen wollte, die Dorfbewohner die uns zum Abschied hinterher winken.. - Sie alle haben diese Reise unvergesslich gemacht und dafür sind wir dankbar!
 

Lassen Sie sich inspirieren - wir bringen Sie hin .....

 

Ihr René Baldinger