Von Schotterpisten zur Schwemmholzküste und zurück .....

…. Tagebuch einer Islandtour abseits der üblichen Wege!

 
Wenn man an Island denkt, so kommen einem zuerst Gletscher, der Gulfoss, Geysire, Wale, etc. in den Sinn. Unser Ziel aber war eine Reise der Kontraste - zum einen Djupavik, in der Region Strandir / im Nordwesten Islands, in den Reiseführern kaum erwähnt und so abgelegen, dass im Winter bei Schnee die Strasse dorthin geschlossen bleibt. Und zum anderen das zentrale Hochland mit seinen Weiten, mit der Einsamkeit, mit den Gletschern, diversen Flussdurchquerungen, etc. - eine ungewöhnliche Kombination, aber umso spannender .....


Donnerstag, 31. August

Unser Flug aus Kopenhagen landet gegen Mitternacht in Keflavik. Der Jeep, ein Landrover mit extra grossen Reifen, Schaufeln, Seil und Reservekanistern für die Hochlandtour ausgerüstet, wartet schon auf uns. Zum Übernachten bleiben wir in Vogar in der Nähe von Keflavik, um am nächsten Morgen früh starten zu können.



Freitag, 01. September

Schon gleich verschlafen! Zu unserer Vorstellung „wir  starten ganz  früh!“ reicht es nicht mehr ganz. Zuerst wird noch einmal die Ausrüstung überprüft,  ausser einigen Detailkarten und dem GPS nehmen wir noch ein Satellitentelefon - als Rückversicherung" mit.

Fährt man vom Flughafen Richtung Reykjavik, so sieht man sofort, dass die Hauptstadt dauernd wächst. Es wird überall gebaut, und auch die Strasse von Keflavik nach Reykjavik wird bald vollständig vierspurig sein.

Beim Einkaufen unseres Proviant geraten wir in die isländische Rush-hour. Höchste Zeit, dass wir uns auf den Weg in einsamere Gegenden machen, denn das ist es ja, was wir eigentlich suchen.


Hinter Selfoss verlassen wir die Ringstrasse und biegen in Richtung Fludir, Hrauneyjar und Sprengisandur ab. Hier oben befindet sich ein einfaches Hotel mit Tankstelle und Restaurant, entstanden aus den Wohncontainern der Bauarbeiter, die am Stausee und Kraftwerk Burfell gearbeitet haben. Es ist ein guter Ausgangspunkt für Touren in das südliche Hochland und die letzte Gelegenheit, um noch einen Kaffee zu trinken oder einen Hamburger zu essen und um zu tanken resp. die Reservekanister zu füllen, denn die nächste Möglichkeit zum Tanken gibt es dann erst wieder am anderen Ende der Sprenginsandur.


Jetzt geht es endlich richtig los, auf die F 26, die Sprenginsandur, die durch eine weite Schotter- und Sandwüste führt. Der Name stammt daher, dass man früher die Hauptstrecke in einem Tag schaffen musste, weil es unterwegs keine Weidemöglichkeit für die Pferde gab.

 

        

Noch im Hellen und einem Lichtspot voraus erreichen wir die Hütte Nyidalur. Es geht ein starker Wind und der Tungnafellsjökull (Jökull = Gletscher) ist zum grössten Teil durch tiefhängende Wolken verdeckt. An der Hütte ist niemand, auch der Hüttenwart ist bereits „abgereist“. Hier ist die Saison Ende August vorbei. Wir haben offiziell eine Reservation getätigt und in Reykjavik den Schlüssel abgeholt. Dieser „passt“ für die kleinere der beiden Hütten. Das Wasser hat der Hüttenwart wegen Frostgefahr bereits abgestellt, aber auf dem Ofen steht ein grosser Topf davon. Für heute Abend reicht dies völlig aus. Wir packen unsere Schlafsäcke aus und richten uns im grossen Schlafraum ein.

Zum Nachtessen gibt es Pasta, Salat und australischen Rotwein - wir geniessen die Ruhe und Einsamkeit, weit und breit kein Mensch ausser uns.... - Damit ist es dann aber ganz plötzlich vorbei. Als wir uns gerade die Zähne putzen, tauchen Lichter auf, drei Jeeps! Eine Gruppe Isländer ist auf dem Weg quer durch das Hochland zum neuen Staudamm Krahnarjukar im Osten des Landes. Es sind Ingenieure, die am Staudammbau beteiligt sind. Der Erste, der in die Hütte kommt, hat eine Menge Bierdosen unter dem Arm, bietet uns freundlich auch gleich eine an. Er meint, sie machen hier den Stopp auf dem Weg und kämen um ein bisschen zu singen, zu trinken und zu diskutieren, und das tun sie dann auch ausgiebig .....

Eine Gitarre wird ausgepackt und dann geht es los! Wir bekommen nicht mehr viel mit, wie lange es dann letztendlich gegangen ist. Am Morgenist das Resultat sichtbar, denn es steht  doch eine eindrucksvolle Reihe leerer Flaschen und Bierdosen auf dem Tisch.
               

Samstag, 02. September

Schon um acht Uhr brechen unsere trinkfesten Isländer mehr oder weniger munter auf. Einige leiden - das lässt sich nicht verleugnen - auf der weiteren Strecke kann dies ja heiter werden! Es ist immer noch ziemlich windig, etwas kälter als am Vortag und es regnet. Das erleichtert unser heutiges Vorhaben nicht gerade, denn wir wollen versuchen über Gaesavoetn und Kistufell - entlang der Nordseite des Vatnajökulls - nach Askja zu fahren.

Zunächst müssen die drei Furten kurz hinter Nyidalur durchquert werden. Gestern Abend war dies kein Problem, heute sieht die ganze Sache doch schon etwas anders aus. Über den grössten Fluss in der Umgebung, den Skjalfandafljot, gibt es seit einigen Jahren eine Brücke, nachdem hier japanische Touristen in ihrem Jeep zu Tode gekommen sind.


Wir fahren über einen grossen Sander und durch Lavafelder in Richtung Gaesavötn, ein Seengebiet, das noch nicht so lange bekannt ist. Die Gegend nördlich des Vatnajökull wurde lange Zeit auch von den Isländern - aus Angst vor Überfällen und weil man sie überhaupt für gefährlich hielt - gemieden.


Die Route / Strecke, welche wir heute vor uns haben, kennen die Isländer auch unter dem Namen "Gaesavatnaleid" oder auf der Karte F910. Diese Route git als die schwierigste und gefährlichste aller Hochlandrouten Islands. Zu befahren ist diese eigentlich nur ab mitte Juli bis ende August. Auf dem Gaesavatnaleid können die verschiedensten Gefahren auftreten, so z.B. Treibsand, reissende Gletscherflüsse, welche nach Norden führen, halbmeterhohe Stufen in den Lavafeldern, fehlende Markierungen, Alschneefelder, Nebel, Sandstürme und Schneetreiben.


    

Durch eine Mondlandschaft aus Sandflächen, Lavafeldern und vorbei an bizarren Lavaformationen geht es am Rand des Gletschers entlang, den man aber wegen der tiefhängenden Wolken nur erahnen kann. Es scheint, als wären alle Farben aus der Welt verschwunden. Es ist eine Landschaft in Schwarzweiss mit allen Graustufen dazwischen, nur unterbrochen von den leuchtend gelben Markierungspfosten an der Piste. Bis zur  Kistufell-hütte, die am Hang des gleichnamigen Berges liegt, ist der Weg recht gut zu erkennen. Danach wird es aber schwieriger, Jeepspuren führen ziellos hin und her und machen die Orientierung auch nicht einfacher.  So speichern wir  nur die GPS Daten der Hütte und machen  uns auf  den Rückweg nach Nyidalur. In der Nacht kommt ein Sturm auf und bläst heftig um die Hütte, aber drinnen ist es warm und gemütlich!


Sonntag 3. September

Am Morgen regnet es immer noch, aber wie es in Island immer ist, das Wetter ändert sich und bald schon steht ein wunderschöner Regenbogen über der grossen Hütte von Nyidalur.

    

 

Je weiter wir nach Norden kommen, desto weniger werden die Wolken und auch die Farben kehren in die Landschaft zurück! Wir fahren über riesige Sandflächen in Richtung Laugafell immer den Hofsjökull im Blick.
Wir sind aber nicht ganz allein unterwegs. Eine Gruppe Endurofahrer kommt uns entgegen, es muss schon ein grandioses Gefühl sein, auf diesen Sandflächen unterwegs zu sein! Leider halten sich nicht alle, auch nicht von den Jeepfahrern, an die Piste und so ist eine grosse Sandfläche mit Spuren übersät, die auch nach Jahren nicht verschwinden werden.

Vor der Hütte Laugafell durchqueren wir die Furt des Bergvatnkvisl, hier gibt es etwas Vegetation in der Wüste. Laugafell hat eine heisse Quelle, die einen Hotpot speist und dafür sorgt, dass um die Hütten herum Gras wächst.

Nördlich von Laugafell am Reydarvatn sehen wir die Abzweigung zur Hütte Ingolfsskali am Nordrand des Hofsjökull, eine Verbindung zwischen der Sprenginsandur und der alten Kjölurroute. Und wenn wir uns nicht vorgenommen hätten, noch heute in Djupavik anzukommen, dann wäre jetzt eine gute Gelegenheit....

Über ein Hochplateau geht es weiter nach Norden, langsam kehrt die Vegetation zurück, in recht steilen Serpentinen geht es hinunter in das Vesturdalur. Bald tauchen erste Bauernhöfe auf, und Schafe auf den Weiden, die wie immer in wilder Flucht vor dem Jeep davonrennen.

In Varmahlid kommen wir auf die Ringstrasse und die Einsamkeit des Hochland liegt für’s erste hinter uns.
Nach Norden geht es der Küste entlang und über die Hochebene der Steingrimsfjardarheidi bis Holmavik, dem grössten Ort der Strandirregion.

Über ein Hochplateau geht es weiter nach Norden, langsam kehrt die Vegetation zurück, in recht steilen Serpentinen geht es hinunter in das Vesturdalur. Bald tauchen erste Bauernhöfe auf, und Schafe auf den Weiden, die wie immer in wilder Flucht vor dem Jeep davonrennen.

In Varmahlid kommen wir auf die Ringstrasse und  die Einsamkeit  des Hochland liegt  für’s erste hinter uns. Nach Norden geht es der Küste entlang und über die Hochebene der Steingrimsfjardarheidi bis Holmavik, dem grössten Ort der Strandirregion. Von dort aus sind es immer noch etwa anderthalb Stunden auf Schotterpiste immer den Fjorden entlang, bis wir am Abend Djupavik erreichen.

 

   
 


Montag, 4. September 

Die Region Strandir an der Ostküste bietet eine abwechslungsreiche Landschaft aus hauptsächlich kleinen Fjorden mit imposanten, vegetationsarmen Bergrücken und zahllosen Stränden mit Treibholz im Überfluss. Die Bewohner von Strandir haben Glück: Günstige Strömungsverhältnisse liefern ihnen kostenlos massen-weise  Treibholz, das zum Bau von Booten, Möbeln und ganzen Häusern reicht. Nach vier bis zwölf Jahren auf dem Meer werden die vor allem aus Sibirien stammenden, mit Salzwasser imprägnierten Kiefern- und Lärchenstämme hier angespült. Die Strände sind alle in Privatbesitz; d.h. man darf nur vom eigenen Strand Treibholz nehmen bzw. muss den Besitzer um Erlaubnis fragen.
 
Djupavik, das war früher, zu Zeiten des Heringsbooms in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts, der Name einer grossen Fischfabrik, die an das Ende des Rekyjarfjordes gebaut wurde. Mit dem Verschwinden des Hering wurde auch die Fischfabrik aufgegeben und nur noch ihre Ruine und das Wrack eines Schiffes sind geblieben.


Das Haus, in dem früher die Heringsarbeiterinnen wohnten, ist heute ein kleines gemütliches Hotel. Die Besitzer, Eva und Asbjörn, gehören zu den wenigen, die noch das ganze Jahr über in der Strandir Region leben. In der alten Fischfabrik unterhalten sie ein kleines Museum, das die Geschichte des Heringsfang erzählt, und das sie Besuchern gerne zeigen.



 
Fährt man von Djupavik weiter nach Norden, so kommt man nach Gjögur, ein paar Häuser und ein Flugfeld, auf dem zweimal pro Woche das Flugzeug aus Reykjavik landet, sofern das Wetter mitspielt. Überall am Strand liegt das weisse Schwemmholz aus Sibirien, welches vom Grönlandstrom "mitgebracht" wurde. Da Island bekanntlich fast keine Wälder hat, wurde das Holz früher gerne vor allem zum Hausbau gebraucht.

Hinter Nordurfjördur sind dann aber bald alle Wege zu Ende und weiter nach Norden Richtung Hornstrandir kommt man nur noch zu Fuss oder mit einem Boot von Nordurfjördur aus. Früher gab es auch in der Hornstrandir Region noch Bauernhöfe, die aber schon lange aufgegeben worden sind.

In der Nähe eines noch bewirtschafteten Bauernhof liegt eine besondere Attraktion, das Bad von Krossnes, direkt am Strand, und es ist schon etwas ganz Spezielles, bei Wind und Regen in dem warmen Wasser zu schwimmen  mit dem Blick auf die Wellen des Nordmeer!


Das Bad in Krossnes



Mittwoch 6. September
 
Die Nordumrundung des Hofsjökull geht uns nicht aus dem Sinn und so packen wir unsere Sachen wieder und sagen schweren Herzens Djupavik auf Wiedersehen.

Ideale Wetterbedingungen, es ist fast völlig windstill, die Sonne scheint. Und im Kollarfjördur zieht zum Abschied ein Wal gemächlich seine Bahnen.

Bei Asar verlassen wir die Ringstrasse und kommen auf die Kjölurroute, sie ist neben der Sprenginsandur die zweite Piste, die das Hochland durchquert. Bis zum Stausee Blöndulon ist die Strasse zum grossen Teil asphaltiert. Erst südlich davon wird der Kjölur eine Schotterpiste.

Rechts und links der Strasse noch weit bis ins Hochland Schafe, und es ist erstaunlich, dass die Bauern beim Schafzusammentrieb, der Mitte September beginnt, alle ihre Schafe wiederfinden.

An unserer Strecke liegt Hveravellir, ein Geothermalgebiet mit heissen Quellen, auch hier gibt es einen Hotpot, in dem man aber nicht all zu lange bleiben sollte, wenn man nicht aussehen will wie ein gekochter Hummer.




Erst am späten Nachmittag erreichen wir südlich von Hveravellir den Wegweiser Ingolfsskali. Nach wenigen hundert Metern stehen wir am Ufer der Blanda. Auf einer grossen Hinweistafel steht, dass die Strecke gefährlich ist und keinesfalls allein befahren werden soll. Auch ist nicht zu erkennen, wo am anderen Ufer die Ausfahrt der Furt ist, und das wäre ja auch nur die erste von mehreren, die passiert werden müssen. So sind wir für einmal vernüftig und kehren um.

Die Nacht über bleiben wir am Kerlingarfjöll, es ist vorbei mit dem schönen Wetter, in der Nacht rüttelt der Sturm am Hüttendach.
 


Donnerstag 7. September
 
Am Morgen zeigt sich, dass man in Island nie die Regenjacken im Jeep lassen sollte. Es regnet in Strömen und fast waagerecht von Nordwest. Trotzdem machen wir uns auf den Weg zu dem Aussichtspunkt, von wo man auf den Gletscher, die farbigen Berge und das Solfatarenfeld des Kerlingarfjöll schauen könnte, wenn nicht alles in den Wolken hängen würde. Aber wir haben Glück, durch den Wind tun sich immer für kurze Momente Wolkenlücken auf, und dann heisst es schnell sein mit der Kamera!
 

 

Unser Rückweg nach Süden führt über eine Piste ohne Namen, recht holprig , bergauf und bergab und dann über ein spärlich bewachsenes Hochplateau immer im Rückspiegel den Kerlingarfjöll und auf der rechten Seite den Langsjökull im Blick.





In der Nähe des Gulfoss kommen wir wieder auf asphaltierte Strassen und das Hochland liegt hinter uns.
 

Eindrucksvolle Landschaften haben wir gesehen, wo soweit das Auge reicht nichts von Menschen Gemachtes ist. Und wir verlassen Island mit dem Versprechen zurückzukommen und den nächsten „Umweg“ zu machen, dann vielleicht doch noch die Nordumrundung des Hofsjökull....


Island - wir sind bald zurück .......