Botswana - mit den Loewen jagen

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           Duba Plains - Bueffelportrait

 

Ein Reisebericht aus Botswana..
 

Good morning Sir “

vor dem Zelt bewegt sich das Licht einer Taschenlampe. Es ist 5 Uhr am Morgen und noch dunkel - Zeit zum Aufstehen. James, „der Guide“, ist gekommen, mich zu wecken. Und sobald es dämmerig wird, soll es auf Pirschfahrt gehen.

Ich bin in Duba Plains, einem Camp ganz im Nordosten von Botswana im Okavangodelta angekommen. Wenn ich von einem Zelt als Bleibe spreche, so ist das eigentlich untertrieben. Gelegen unter hohen alten Bäumen mit Badezimmer und Aussendusche und einer eigenen kleinen Veranda mit Blick über das Sumpfland, so ähnlich, stelle ich mir vor, hat wahrscheinlich schon Ihre Lordschaft  zu Kolonialzeiten auf Safari logiert.
 
Auf meiner Rundreise durch Botswana ist Duba Plains die letzte Etappe. Zuvor besuchte ich die Gegend am Savuti Channel im Nordwesten und dann das Gras-, Wüsten- und Buschland der Central Kalahari.
 
Duba Plains liegt ziemlich abgelegen. Es gibt keine Strasse, die dorthin führt. Ich bin mit einem Kleinflugzeug gekommen und schon der Anflug ist ein Erlebnis für sich, zuerst geht es noch über das trockene gelbe Grasland der Kalahari mit einzelnen Bauminseln, ausgetrockneten Pans und trockenem Gebüsch; je näher man dem Okavangodelta kommt, desto grüner wird die Landschaft. Zum Schluss fliegt man über Wasserläufe von Schilf gesäumt, Wald. Sumpflandschaft und landet auf einer Sandpiste, die übersät ist mit Elefantendung. Im Gebüsch steht eine Antilope, wie „immer“ zum Empfang……
 

 

            
 

Ich habe eine halbe Stunde Zeit, dann kommt  James mich abholen, denn wegen der Tiere dürfen wir Touristen im Dunkeln und in der Dämmerung nicht allein im Camp unterwegs sein. Es gibt keine Zäune, Tiere können sich frei im Camp bewegen und so habe ich von anderen Reisenden diverse Geschichten gehört, wie z.B. von der Python auf der Veranda,  vom Elefanten, der sich an der Zeltwand den Rücken gekratzt   hat,  so dass das ganze Zelt bebte,  und
 von den Affen, die das Zeltdach als Trampolin benutzten. Die Affen sind aber im Moment anderswo unterwegs und ich habe die Nacht über auch nichts Aufregendes gehört, möglicherweise eine Hyäne, aber da bin ich nicht so sicher. Nach Tee und Kaffee, um kurz vor sechs, es dämmert inzwischen, mache ich mich auf den Weg.
 
James hat uns – das sind ein Ehepaar aus Holland, eine Frau aus Brasilien, zwei Fotografinnen aus Grossbritannien und meiner Wenigkeit versprochen, dass wir heute den Löwen auf der Jagd folgen. Wir sind eine bunt zusammengewürfelte „Truppe“ mit einem Ziel vor Augen > mit den Löwen jagen! James, er ist schon seit 18 Jahren Guide und kennt hier in der Gegend wahrscheinlich jeden Baum, jeden Strauch, jedes Tier, oder zumindest jeden Löwen und seine Geschichte. Im vorherigen Camp haben sie mich schon vor ihm „gewarnt“ – er sei ein ganz ausgekochter Bursche, wird auch „James 007“ genannt und ist „der Guide schlechthin – das kann ja heiter werden …….

 

Duba Plains ist bekannt für die Begegnungen zwischen Löwen und Büffeln, es gibt eine grosse Büffelherde, die von dem ansässigen Löwenrudel häufig gejagt wird. Und es sind beileibe nicht immer die Löwen, die Sieger bleiben. Ein ausgewachsener Büffel kann es mit einem Löwen locker aufnehmen, ihn auf die Hörner nehmen und töten.

Duba  Plains ist eine Insel mit Grasland und Bäumen, umgeben von einem Schilfgürtel  und durchzogen von Wasserläufen. Es ist Ende Oktober, das Ende der Trockenzeit, wenn die Wege mit  dem  Jeep  passierbar  sind und ebene Grasflächen, die  wenn der  Okavango Hochwasser hat, überschwemmt  sind,   befahren   werden können. Diese Zeit ist bekanntlich sehr gut für Tierbeobachtungen.

Und schon auf der ersten Pirschfahrt am Nachmittag vorher haben wir Elefanten, Paviane, Antilopen und viele Vögel, darunter auch eine ziemlich seltene Eule, gesehen. Es hat allerdings eine ganze Weile gedauert bis auch wir sie endlich zwischen den Ästen entdeckt hatten.

 Und dann auch noch eine Löwin mit ihren drei Jungen, erst gut vier Wochen alt, und den einzigen Löwen, sozusagen der Chef der Insel, der sich noch an den Resten einer erlegten Antilope gütlich tat. Sein Nachwuchs versuchte auch etwas abzubekommen, aber der Vater hat sich das nicht gefallen lassen und sie sofort mit Knurren vertrieben. Unsere Kameras standen natürlich nicht still,  aus nächster Nähe haben  wir die Löwenfamilie  fotografieren können.

Und heute, wie er uns versprochen hat, hat James nach einer kurzen Fahrt durch Busch- und Grasland, Schilf und Wasser die Gruppe Löwinnen gefunden, der wir folgen wollen. Es sind sechs Löwinnen und vier Jungtiere, „die Tsaro Pride“. Auch ihr „Chef“ ist nicht weit, er liegt aber in einiger Entfernung im Schatten und beobachtet das Geschehen aus der Ferne.

Die Hauptarbeit gleich Anpirschen und Erlegen der Beute überlässt er den Löwinnen. Und wirklich, die Löwinnen sind auf der Pirsch, still und konzentriert bewegen sie sich in einem Bogen durch das Gras und das flache Wasser, die Jungen warten im Gebüsch und folgen dann in gebührendem Abstand. Nur eines der Jungen folgt seiner Mutter auf dem Fuss, es scheint uns so, als hätte es Jagdunterricht. In einiger Entfernung ist auch die Büffelherde zu sehen. Diese haben die Anwesenheit der Löwen schon lange bemerkt. Während die Herde langsam grasend weiterzieht, stehen einzelne ausgewachsene männliche Büffel Wache. Und sobald die Löwinnen zu nah kommen, gehen die Büffel sofort auf sie los und schlagen sie in die Flucht.

Nun ist auch noch ein einzelner Elefant auf der Szene erschienen und mischt sich in das Geschehen ein. Wer weiss warum, aber immer wenn die Löwinnen sich an die Büffelherde anpirschen, geht er lautstark trompetend und mit den Ohren wackelnd dazwischen und vertreibt sie wieder. Wir fragen uns, warum er das wohl tut, James sagt aber nur: „this crazy elephant.“
 
Inzwischen steht die Sonne schon recht hoch, und es ist heiss geworden, die Löwinnen haben sich, um ihre Kräfte zu schonen, in den Schatten des Gebüsches zurückgezogen und schlafen. Und wir auf dem Jeep tun es ihnen gleich. Das frühe Aufstehen und die Hitze machen sich bemerkbar. Auch James zieht sich die Kappe über die Augen und so machen wir alle – umringt von einigen Löwen – ein Schläfchen.
 
Dann kommt aber doch wieder Bewegung in die Gruppe. Die Löwinnen stehen auf und streifen langsam durch das Gebüsch. Die Büffel sind inzwischen im Bogen ein Stück weiter gezogen. Die Löwinnen haben sie aber die ganze Zeit nicht wirklich aus den Augen gelassen und jetzt am Rand der Herde ein einzelnes Jungtier entdeckt.

Eine Löwin startet einen ersten Angriff. James prescht mit dem Jeep hinterher, und noch ehe wir noch die Kamera richtig in Position gebracht haben, hat sie schon das Kalb zu Boden gerissen. Sie hat es aber noch nicht erlegt, da machen Bullen der Herde kehrt und vertreiben die Löwin von ihrer Beute. Immer diese Spielchen ......
 
Die Löwinnen flüchten in den Schutz des Gebüsches, das Büffelkalb kommt von selbst wieder auf die Beine, blutet aber aus einer Wunde am Hals. Einige Büffelkühe nehmen es schützend in ihre Mitte, führen es zur Herde zurück und lecken seine Wunde. Wir hoffen insgeheim, dass die Wunde sich nicht infizieren wird und dass das Kalb den Angriff überlebt, auch wenn wir wissen, dass wir der Natur ihren Gang lassen müssen.
 
Der Löwe selbst ist inzwischen auch wieder da, er steht auf einmal unmittelbar hinter unserem Jeep, nur eine Armlänge entfernt. Und nachdem die Löwinnen noch einmal das Gras abgesucht haben, ob ihnen ihre Beute auch wirklich entgangen ist, ziehen sie nacheinander am Löwen vorbei, es scheint uns fast als wollten sie ihm Bericht erstatten, dass es leider nicht geklappt hat.
 
Und nun muss wohl der Chef die Sache selbst in die Hand nehmen. Auf einmal setzt er sich in Bewegung, denn vier Büffel haben sich etwas von der Herde entfernt. Die Löwinnen folgen, und jetzt geht alles wieder ganz, ganz  schnell, James startet den Land Rover. Wir klammern uns am Jeep fest, um ja nicht rauszufliegen und versuchen auch noch die Kamera festzuhalten, damit wir diese nicht verlieren. Gleichzeitig sollten wir „noch irgendwie“ einige Bilder machen, was aber gar so nicht einfach ist;  es holpert und rumpelt, und auf den meisten Bildern ist, wie wir später sehen, entweder sehr viel Himmel oder sehr viel Gras zu sehen…..
 
James erklärt uns später, dass er, wenn er allein unterwegs ist, nur mit einer Hand lenkt, die Kamera auf den Knien hält und noch während der Fahrt fotografieren kann. So kann er den Moment, wenn die erste Löwin auf den Büffel springt, festhalten, was uns vor lauter Aufregung dann doch nicht ganz gelungen ist.
 
Diesmal hatten die Löwinnen Erfolg. Sie haben einen der Büffel ins Wasser getrieben und dort von den Beinen gerissen. Und jetzt haben sie sich zu sechst in den Büffel verbissen und drücken ihn unter Wasser. Was nun folgt, ist gar nichts für schwache Nerven, denn sein Todeskampf zieht sich über Minuten hin, immer wieder schlägt er vergebens mit den Beinen, aber die Löwinnen lassen ihn nicht mehr los, bis er sich dann schliesslich nicht mehr bewegt.
 
Erst jetzt kommt auch der Löwe wieder dazu. Die Jungen nähern sich ebenfalls langsam und gehen zögerlich in’s Wasser. Der Löwe frisst zuerst. James erklärt uns, dass er das Blut des Büffels trinkt. Erst danach fressen auch die Löwinnen und die Jungen kommen zuletzt dazu, das Jüngste muss an Land bleiben und warten, es ist noch zu klein und das Wasser zu tief. Erst wenn sie den grössten Teil des Büffels gefressen haben, können sie den Rest des Skelettes an Land resp. in’s Trockene ziehen, vorher ist dieses viel zu schwer. Gebannt beobachten wir die Löwen beim Fressen, immer wieder klicken die Kameras. Von Zeit zu Zeit hört man ein Brüllen und Fauchen, wenn sie sich in die Quere geraten. Aber auch die Kleinen lassen sich nun nicht mehr von der Beute vertreiben.

James erklärt uns, dass alle jetzt einige Stunden fressen werden. Nicht immer sind die Löwen auf der Jagd so erfolgreich. Da sind ihnen zum Beispiel die Wildhunde um einiges voraus, denn diese sind in über 80% der Jagd erfolgreich und erlegen ihre Beute. Die Löwen geben aber wenn sie hungrig sind, nicht auf. Die Jagd dauert oftmals so lange, bis sie ein Tier erlegt haben, auch wenn es Tage geht, und eine Chance auf Beute lassen sie sich nicht entgehen. Aber trotzdem wird nur eins von zehn Löwenjungen gross …..
 
Wir, noch ganz gebannt von dem was wir da gesehen haben, fahren ein Stück weg und genehmigen uns dann auch selbst etwas zum Essen. Es ist schon ein ganz komisches Gefühl, mit Teller und Glas in den Händen neben dem Jeep zu stehen und in nicht allzu grosser Entfernung das Brüllen der Löwen zu hören.

 

Nach einiger Zeit kehren wir noch einmal zurück zu den fressenden Löwinnen, inzwischen haben sich auch schon die ersten Geier in den Bäumen niedergelassen und beobachten aus sicherer Distanz die Szenerie.

Dann geht es langsam wieder zurück in’s Camp, es wird auch schon wieder dämmerig, fast 12 Stunden waren wir mit den Löwen jagen. Die Büffelherde – mit den 1000 Tieren – zieht nun wieder langsam und friedlich fressend durch die Graslandschaft in der Nähe unseres Camps, als wäre nichts geschehen. Auf ihren Rücken reiten Madenhacker und weisse Egret, die nach Ungeziefer suchen.
 
Beim feinen gemeinsamen Abendessen im Camp oder am Lagerfeuer werden wir dann den anderen unsere Erlebnisse berichten. Ein aufregender Tag mit den Löwen liegt hinter uns, den wir sicher so schnell nicht wieder vergessen werden.

 

 


Und noch ein kleines PS bleibt anzufügen. Am nächsten Tag fahren wir noch einmal am Schauplatz des Geschehens vorbei, und die Jägerinnen von gestern liegen nun faul und mit vollgefressenen Bäuchen im Schatten und von ihrer Beute ist nur noch der abgenagte Schädel übriggeblieben….
 

 

Ihr René Baldinger